„Ungeduld des Herzens“

(Deutschland/ 104 Minuten/ Start in Deutschland: 05. 02. 2026)

Ein Juwel. – Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“ gehört zu den feinsten, leis-melancholischen, psychologisch ausgefeilten deutschsprachigen Romanen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fünf verschiedene Verfilmungen gibt es bereits. Die bisher bekannteste kam 1946 in Großbritannien heraus, geprägt vom stilvollen Spiel Lilli Palmers. Diese noch heute sehenswerte Adaption fokussierte ganz auf die Spiegelung seelischer Regungen – wahre, rückhaltlose Liebe einerseits, aus oberflächlichem Egoismus geborene Gefühlskälte andererseits. Was durchaus im Sinn des Autors ist.

   Die aktuelle Leinwandversion des jungen Regisseurs Lauro Cress, auf diversen Festivals mehrfach ausgezeichnet, nutzt die Geschichte um das Miteinander eines Soldaten und einer gelähmten Frau auf verblüffende Art für ein Gesellschaftspanorama. Gegensätze, die sich aus unterschiedlicher Klassenzugehörigkeit und verschiedenem Bildungsniveau ergeben, werden stark betont, sehr viel kräftiger als bei Zweig. Doch das ist nie aufdringlich. Dazu ist die Story vielfach dezent verändert worden. Die auffälligste Veränderung neben dem Finale: die Verlegung der Handlung in die Gegenwart. Damit verbunden ist, dass die Frauenfigur nicht die Leidende, meist passiv Ausharrende ist. Ladina von Frisching ist eine heutige Edith: selbstbewusst, emanzipiert, willensstark. Giulio Brizzi zeigt den Isaac als kraftvollen Burschen, für den Sensibilität kein Fremdwort ist. Wenn er das Zerrissen-Sein des Soldaten zwischen Gedanken an Flucht vor der Verantwortung für die Partnerin und absoluter Hingabe an sie ausdrückt, erreicht der Film eine fiebrige Intensität.

   Schauspiel und Inszenierung dieses Spielfilmdebüts (!) begeistern mit Eleganz, Intelligenz und emotionaler Kraft. Der Überschwang der Gefühle verschleiert nie den Blick auf die soziale Realität. Mitreißend! In Erinnerung bleibt insbesondere die differenziert Darstellung von Giulio Brizzi. Er braucht keine Worte, um dem Publikum die Zerrissenheit des Protagonisten zu vermitteln. Ein enormes Talent. Es ist verblüffend, wie sein Isaac gleichzeitig für sich einnimmt und zu Ablehnung provoziert. Es ist zu hoffen, dass dem jetzt 27-jährigen weiterhin so komplexe Aufgaben angeboten werden. Der Mann hat das Zeug zum Star!

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