(Niederlande, Belgien, Frankreich /102 Minuten/ Start in Deutschland: 11. 06. 2026)
Vielschichtig. – Dies ist der erste abendfüllende Kino-Spielfilm der niederländisch-britisch-US-amerikanischen Autorin und Regisseurin Muriel d’Ansembourg. Er macht neugierig auf weiteres. Ihr Debüt besticht mit inszenatorischer Sicherheit, guter Schauspielführung, Gedankenreichtum.
Die Story begleitet einen Minderjährigen beim Erwachsenwerden. Alec (Caolán O’Gorman), recht schüchtern wirkend, arbeitet für seinen Vater als Kameramann. Daddi Dylan (Andrew Howard) ist Pornoproduzent und zugleich der Star der von ihm im Internet vertriebenen Streifen. Wirklich gut läuft das Geschäft nicht mehr. Es muss also viel gedreht werden, um wenigstens einigen Profit zu erwirtschaften. Tatsächlich heißt Sex hier harte Arbeit. Alec denkt nicht weiter darüber nach. Dann aber kommt er seiner Mitschülerin Nina (Safiya Benaddi) näher. Sie denkt sehr viel, sieht die Welt meist aus einem feministischen Blickwinkel. Gefühle keimen auf. Und der Teenager erfährt langsam, dass es ganz andere Möglichkeiten des körperlichen Miteinanders gibt als die, die in der heimischen Filmfabrik abgespult werden. Zudem eröffnet ihm Nina eine differenzierte Sicht auf gesellschaftliche Zu- und Missstände.
Die stilvolle Inszenierung lässt die Zuschauerinnen und Zuschauer rasch die Sichtweise des jungen Mannes übernehmen und beteiligt sie damit an seinem Lernprozess. Caolán O’Gorman gelingt es in seiner ersten Hauptrolle, das Publikum emotional einzufangen. Was den Zugang zum Geschehen mühelos macht. Auch Safiya Benaddi überzeugt. Im Zusammenspiel glaubt man ihnen die Entwicklung der Gefühle und fiebert mit, dass aus Alex und Nina auf längere Zeit ein Paar wird.
Der Film hat eine eindeutig kritische Haltung gegenüber dem Porno-Gewerbe, stellt diese jedoch nicht aus. Belehrung fehlt. Was die Kritik an der Ausbeutung vieler Akteure, insbesondere von Frauen, wirkungsvoll stärkt. Doch entscheidend ist die Spiegelung des innerlichen Reifeprozesses eines jungen Mannes. Dabei wird deutlich, wie wichtig im Leben Zärtlichkeit, Sensibilitär, Achtung vor dem Gegenüber sind. Das reift zu einem so klugen wie berührenden Plädoyer für die Kraft der Herzensbildung.