(Deutschland/ 92 Minuten/ Start in Deutschland: 04. 06. 2026)
Herzerwärmend. – Eine deutsche Kino-Komödie, die wirklich als Film überzeugt und nicht nur wie abfotografiertes Theater anmutet, hat Seltenheitswert. Inszenierung (Simon Ostermann), Kamera (Johannes Greisle) und Schnitt (Ramin Sabeti) haben in diesem Fall ganze Arbeit geleistet. Die Story wird flott abgespult, doch der geschickte Einsatz von Momenten der Besinnlichkeit sorgt für den genau richtigen Rhythmus. Allein das macht Freude. Es wäre jedoch zu wenig, wenn das alles wäre. Auch die Story fesselt. Und das Schauspiel begeistert. Die Zeichnung des Arbeitsalltags in einer Fahrradkurier-Firma ist ein wenig zu gefällig ausgefallen. Doch man übersieht’s ob der Qualitäten des Films gern.
Mala Emde und Christoph Maria Herbst als Tochter-Vater-Gespann ziehen einen sofort in den Bann. Mit Fingerspitzengefühl und reichen aber nie lauten Ausdrucksmitteln gestalten sie facettenreiche Persönlichkeiten. Das Drehbuch hat ihnen kluge (weil knappe!) Dialoge geschenkt, dazu pointierte Momente herrlichen Humors und viel Tiefgang, was die Charakterzeichnungen angeht. Neben ihnen fällt besonders Aaron Hilmer im Part eines jungen Mannes auf, der die von Mala Emde verkörperte Les ernsthaft liebt und darum mit beneidenswerter Gelassenheit ihre nicht nur sexuell vielfältige Lebensart akzeptiert.
Akzeptanz ist ein wichtiges Stichwort. Um sie als Grundhaltung im menschlichen Miteinander dreht sich nämlich alles. Das wird nie vordergründig präsentiert, sondern mit Zurückhaltung – und ist deshalb überaus wirkungsvoll. Große Überraschung für alle, die Christoph Maria Herbst trotz bereits einiger Charakterrollen noch immer auf das „Stromberg“-Image reduzieren: der Mann ist ein umwerfender Menschendarsteller, der viele Töne und Gesten beherrscht, ohne dass er je so anmutet, als kalkuliere er sein Spiel auf Wirkung. Wer bisher kein Fan von ihm ist, dürfte es durch diesen Film werden.