(Österreich, Deutschland/ 93 Minuten/ Start in Deutschland: 30. 04. 2026)
Eindringlich. – Irgendwann im 17. Jahrhundert, irgendwo im Morast nach dem mörderischen Wüten des 30jährigen Krieges: ein Mann taucht in einem kleinen, vom Protestantismus geprägten Kaff auf. Papier weisen seinen Anspruch auf einen halb verfallenen Gutshof aus. Der wird ihm von der Dorfgemeinschaft zugesprochen. Nachdem sich der Fremde gut einfügt, heiratet er eine Tochter des Ortes. Womit sein Fall besiegelt wird. Denn er ist in Wahrheit eine sie. Rose (Sandra Hüller) hat den Geschlechtertausch inszeniert, weil sie weiß, dass allein Männern das Recht auf Selbstverwirklichung zugestanden wird. Suzanna (Caro Braun), die Frau an ihrer Seite, ist zunächst schockiert. Dann versucht sie, der Frau an ihrer Seite zu helfen. Doch die Rache der ach so braven Bürger, gottesfürchtig alle, kennt kein Verständnis und keine Gnade …
Sandra Hüller gewann auf der diesjährigen Berlinale den Preis für die beste Schauspielerische Leistung. Den Caro Braun hätte bekommen müssen. Sie ist die schauspielerische Sensation des Films. Hauptdarstellerin Hüller, von Maske und Kostüm exzellent unterstützt, überzeugt als Frau, die sich als Mann ausgibt, indem sie jeglichen „Charlys Tante“-Anflug vermeidet. Nichts da von Travestie. Sie zeigt deutlich, wie schwer es für Rose ist, sich körperlich und stimmlich als Mann aufzuführen. Caro Braun zeigt mehr, nämlich eine enorme Wandlung. Ihre Suzanna wirkt erst schroff, selbstgerecht, eigennützig – und wandelt sich dann zu einer treuen Gefährtin, fürsorglich, achtsam, sensibel. Es sind vor allem ihre Blicke, die davon erzählen, kleine Gesten, mit gänsehautträchtiger Intensität gezeigte Momente des In-sich-gekehrt-Seins der Figur. Dazu hat Caro Braun etwas, was keine Schule vermitteln kann: eine Aura, die jede und jeden zwingt, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Bei kluger Rollenwahl sollte die junge Schauspielerin mit der Rolle der Suzanna eine große Karriere starten.
Regisseur Markus Schleinzer und sein Drehbuchmitautor Alexander Brom erzählen ohne Sentimentalität. Mit scharfem Blick auf die Figuren öffnen sie die Sicht auf gesellschaftliche Fragestellungen, ohne dabei vordergründig zu werden. Sehr kraftvoll.