„Paranoia in Hollywood“

Jan Jekal „Paranoia in Hollywood“, Matthes & Seitz, 400 Seiten; mit zahlreichen schwarz-weißen Fotos; Preis: 28,00 Euro

Beunruhigend, aufschlussreich, spannend. – Traumfabrik Hollywood? Schön wär’s. Jan Jekal blickt kenntnisreich hinter die Kulissen. Er schaut ins Zentrum der US-amerikanischen Filmmetropole in den Jahren 1941 bis 1953, beschreibt detailreich und von vielen Zeugnissen belegt, wie sich die Haltung vieler politisch Mächtiger von einer demokratischen, antifaschistischen zu einer menschenverachtenden, letztlich als faschistisch zu bezeichnenden, verändert hat. Die Faktenfülle ist enorm. Das Erschrecken beim Lesen groß. Abgründe tun sich auf. Die Kommunistenhatz der 1940er und 50er Jahre, der latente Antisemitismus, die Ausgrenzung von nicht-weißhäutigen Menschen, von selbständig Denkenden – ein Kaleidoskop des Schreckens. Bedrängend: Die vom Autor keineswegs vordergründig ausgestellten Parallelen zu heutigen Vorgängen.

   Das Buch ist ein wahrer page turner. Klug geschrieben, die Spannung vermittels laufender Wechsel von Orten, Zeiten, Personen steigernd, ist das mehr als ein Nachschlagewerk. Es ist ein Zeugnis dafür, wie rasch Menschen zu Unmenschen werden können und welche Courage, welchen Mut, es erfordert, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen, sich nicht den vermeintlichen Normen jener anzuschließen, die über existentielle Druckmittel das politische Klima in eine festgezurrte, das freie Denken einschränkende Uniformität zwingen (wollen).

   Die Zahl der Prominenten aus Kultur, Showbusiness, Politik, Philosophie, deren Tun und Denken betrachtet wird, ist enorm. Dabei ist es Jan Jekal gelungen, viele ihrer Arbeiten in direkten Zusammenhang mit den Ereignissen zu stellen. Manchen berühmten Spielfilm, einige schon mehrfach gelesene Schriften nimmt man nach der Lektüre wach und neu in sich auf – und denkt angeregt über gegenwärtige Entwicklungen nach.

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