„Nouvelle Vague“

(Frankreich/ 105 Minuten/ Start in Deutschland: 12. 03. 2026)

Ein Traum von einem Film! – Der US-Amerikaner Richard Linklater blickt spürbar verzückt in die Geschichte des Kinos. Das Objekt seiner Begierde: der legendäre – 1960 uraufgeführte – Gangsterfilm „Außer Atem“, das Regie-Debüt des bis dahin als Kritiker bekannten Jean-Luc Godard, jener Spielfilm, mit dem Jean-Paul Belmondo zum Star wurde. „Außer Atem“ wird gelegentlich als erster Erfolg der „Nouvelle Vague“, der „Neuen Welle“, angepriesen. Das stimmt jedoch nicht. Zweifellos aber ist dies einer der großen Filme dieser in Frankreich kreierten Filmkunst-Bewegung Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre. „Neue Welle“ steht für ein frisches Kino fern der bis dahin üblichen Muster, Erkundungen der Wirklichkeit statt Traumfabrik, lebensechte Dialoge, gern per Handkamera aufgenommene Bilder, Schnittfolgen fern des Üblichen.

   Richard Linklater schwelgt. Dabei hält er sich formal und stilistisch an das Vorbild: Das Projektionsbild ist fast quadratisch, der Film schwarz-weiß. Die Handlung springt von hier nach da und auch mal dorthin. Es wird fröhlich fabuliert. Wer sich in der Geschichte des Kinos auskennt, kann in Verweisen, Zitaten und Anspielungen auf legendäre Film-Größen regelrecht baden. Wer keine Ahnung hat, aber Lust an geistreichen Ausflügen hinter die Kulissen des Business, kann sich ebenfalls prächtig amüsieren. Denn Linklaters Leidenschaft ist absolut mitreißend.

   Wie einst „Außer Atem“ Jean-Paul Belmondo den entscheidenden Karrierekick gab, dürfte „Nouvelle Vague“ nun den bisher weithin unbekannten Belmondo-Interpreten Aubry Dullin kräftige Impulse auf dem Weg nach oben geben. Seine Performance ist umwerfend gut. Überzeugend ebenfalls: die US-Amerikanerin Zoey Deutch als Hollywood-Export Jean Seberg. Ihr gelang eine überzeugend vielschichtige Charakterstudie. Auch Guillaume Marbeck fesselt in seiner ersten großen Roll: Als Jean-Luc Godard zeigt er darsetllersiche Kraft und Vielfalt.

   Das Schönste an dieser lustvollen Liebeserklärung an den Zauber des Kinos: Das Publikum wird ernst genommen. Nichts da mit billigen Gags. Technischer Firlefanz bleibt aus. Stattdessen trumpfen Intelligenz, Esprit und Pfiffigkeit auf. Es wird höchst geistreich und gefühlvoll (aber nicht gefühlsduselig!) unterhalten. Und, das A und O: Weit entfernt von einer platten Nabelschau geht es sowieso um viel mehr als den Blick zurück in eine große Filmkunst-Ära: „Nouvelle Vague“ erzählt nämlich insbesondere davon, wie Menschen über sich hinauswachsen und ihre Träume wahr werden lassen können. Einfach zauberhaft!

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