„Mother Mary“

(Großbritannien, USA/ 112 Minuten/ Start in Deutschland: 21. 05. 2026)

Verblüffend. – Schon vor fast zwei Jahrzehnten, 2008, hat Anne Hathaway in Jonathan Demmes feinem kleinen Drama „Rachels Hochzeit“ ihr großes Talent als Interpretin höchst komplizierter Charaktere zeigen dürfen. Mit der Darstellung der „Mother Mary“ hat sie diese Glanzleistung noch übertroffen. Umwerfend.

   Dies ist ein Biopic, allerdings ist die Titelfigur eine erfundene. Das hat Drehbuch und Regie davor bewahrt, irgendwelche Rücksichten nehmen zu müssen und einen geschönten Bilderbogen abzuliefern. Die Absicht, das Showbusiness als gnadenloses Geschäft zu entlarven, dräut vielleicht ein wenig zu sehr in den Vordergrund. Doch Anne Hathaway und Michaela Coel in den Hauptrollen begeistern mit Glanzleistungen, die darüber hinwegsehen lassen.

   Mother Mary ist ein Pop-Star. Deren ehrgeizige Interpretin hat sich inzwischen derart mit der Kunstfigur identifiziert, dass ihre Persönlichkeit flöten gegangen ist. Als sie nun nach Jahren wieder auf ihre alte Freundin, vielleicht sogar einstige Liebhaberin, Sam trifft, kommt es zu einem Clinch zwischen Wahrheit und Lüge, der sich zu einem regelrechten Horrortrip weitet.

   Trotz opulenter Show-Nummern, in denen Anne Hathaway auch als Sängerin und Tänzerin brilliert, ist dies vor allem ein Kammerspiel. Das es in sich hat. Schweißtreibend.

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