„Geister“

(Deutschland/ 106 Minuten/ Start in Deutschland: 05. 10. 2026)

Mutig. – Das deutsche Kino hat seit Jahrzehnten Angst vor Kitsch-Anwürfen. Verständlich. Zu lange wurde hierzulande das Feiern übergroßer Gefühle von Kritikerinnen und Kritikern denunziert. Man kann Fatih Akin nur Beifall zollen, dass er sich davon nicht abschrecken lässt. Schon mehrfach hat er höchst emotionsgeladene Spielfilme gedreht. Mit seinem neuen übertrumpft er sich beinahe selbst. Applaus, Applaus!

   Akin erzählt von Farasha (Mariam Dawoud) und Faris (Eren M. Güvercin). Ein Liebespaar, dessen Miteinander nach nur wenigen Stunden durch einen Unfall zerstört wird. Sie kommt ums Leben. Doch die nächsten 40 Tage und Nächte erscheint die junge Frau dem Angebeteten immer wieder in seinen Träumen. Denn bekanntlich gibt es auf Erden mehr als das, was sich die Schulweisheit träumen lässt. So auch, dass Tote die Chance haben, sich zumindest für einige Zeit zwischen dem Hier und Jetzt und dem Nichts und Nirgendwo zu bewegen.

   Es genügen wenige Momente, um die Kraft der alles überstrahlenden Liebe des Paares auf das Publikum zu übertragen. Kameramann Frank Griebe und Schnittmeister Andrew Bird haben eine bezwingende Bildwelt geschaffen, die jede und jeden nahezu unentrinnbar in den Wirbel der Emotionen hineinzieht. Dadurch wird alles, was folgt, absolut glaubwürdig. Und man bibbert rasch mit, ob es Faris gelingt, der Realität verbunden zu bleiben.    In der Schlüsselszene des Films trifft die gerade verstorbene Farasha ihren ebenfalls nicht mehr auf Erden weilenden Vater (Mohamed Achour). Er erklärt ihr die Regeln des flüchtigen Miteinanders von Lebenden und Toten, macht ihr eindringlich klar, dass sie nur vierzig Tage und Nächte hat und dann loslassen muss, damit Faris nicht verrückt wird. Hier zeigt sich Fatih Akins Meisterschaft, in kürzesten Momenten die Essenz des menschlichen Daseins zu spiegeln. Die von Mohamed Achour ausgehende zärtliche Eindringlichkeit öffnet den Kinobesuchern die Wege zu allem Folgenden. Ohne äußerlichen Aufwand wird in das Innere von Menschen geschaut. Leider stört gelegentlich ein Zuviel an aufdringlicher Musik. Diesbezüglich wäre weniger mehr gewesen. Eindringlich sind die leisen Szenenfolgen, etwa jene, in denen die Liebenden traumversunken durch ein menschenleeres nächtliches Hamburg flanieren. Mariam Dawoud und Eren M. Güvercin erreichen eine enorme Eindringlichkeit. Im Finale wird es überaus spannend. Findet Faris ins Leben zurück? Kann ein gebrochenes Herz jemals wieder besonnen schlagen? Ist Vernunft wichtiger als Übermut? Was Fatih Akin auf diese (und anderen Fragen) antwortet (oder auch nicht), schenkt einem eine Gänsehaut.

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