„Ein Talent fürs Morden“

(Schweiz, Australien, Italien, USA, Großbritannien/ 106 Minuten/ Start in Deutschland: 05. 10. 2026)

Nett. – Wer effektvolle Freak-Shows mag, wird gut bedient. Zweifellos bietet Helen Mirren rein äußerlich eine dolle Travestie. Nur schade: Die Klasse der vorgeführten Patricia Highsmith wird in keine Sekunde erreicht. Denn dem Film fehlt das Entscheidende des Werks der legendären Schriftstellerin: die Feier der Unmoral. Regisseur Anton Corbijn zeigt bei seiner Adaption eines Boulevard-Theaterstücks nicht genug Mut, das Böse triumphieren zu lassen. Genau den hatte die Highsmith, der hat ihr zu Welterfolgen verholfen.

   Natürlich wäre es übertrieben, den Film als Reinfall zu bezeichnen. Da gibt es einige unterhaltsame Momente. Das Ineinanderfließen von Realität, Wahn und literarischen Motiven wirkt geschickt. Und Alden Ehrenreich bietet eine kluge, facettenreiche Darstellung des Kontrahenten der legendären Erfinderin von Tom Ripley. Zudem begeistert er mit einer großen (von Maske und Kostüm clever unterstützten) Wandlungsfähigkeit. Man wird neugierig auf künftige Rollen des Kaliforniers. Neugierig auf weitere Verkörperungen berühmter Frauen durch Helen Mirren, die neben anderen schon als Caligulas Gattin Caesonia, Katharina die Große, Elisabeth II. und Golda Meir aufgetreten ist, wird man hingegen kaum.

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