(Deutschland, Georgien/ 186 Minuten/ Start in Deutschland: 02. 07. 2026)
Kunstvoll. – Manchmal erkennt man mehr, wenn man nicht alles sieht. – Dieser im ersten Moment seltsam anmutende Gedanke schenkt diesem Spielfilm eine höchst eigenwillige Schönheit.
Das Liebesmärchen „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“ hat den georgischen Regisseur Alexandre Koberidze 2021 berühmt gemacht. In „Dry Leaf“ geht es wieder um die Liebe, dieses Mal aber um die eines Vaters zu seiner Tochter. Vordergründig. Vor allem spiegelt der Regisseur die Liebe zu seiner Heimat.
Eine Story ist kaum auszumachen. Am Anfang steht das scheinbare oder tatsächliche Verschwinden einer jungen Fotografin. Ihr Vater Irakli (David Koberidze) sucht nach ihr. Zuletzt hatte sie Fußballstadien und -plätze in ganz Georgien fotografiert. Irakli folgt ihren Spuren, entdeckt dabei verschiedene Orte und Menschen, hört viele Geschichten, entdeckt sein Heimatland.
Der Titel des Films spielt auf eine spezielle Schusstechnik im Fußball an. Dabei wird der Ball dazu gebracht, kurz vor dem Tor unberechenbar wie ein welkes Blatt (Dry Leaf) auf den Boden zu kommen. Wer sich nicht für Fußball interessiert und das nicht weiß, gerät nicht ins Hintertreffen. Die Metapher erschließt sich dennoch.
Gedreht hat Alexandre Koberidze, der es grundsätzlich formal ungewöhnlich mag, mit einem alten Mobiltelefon. Sämtliche Bilder sind verschwommen, fast vernebelt. Einzelheiten sind oft kaum auszumachen. Das schärft den Blick aufs Wesentliche: die Suche des Mannes nach seinen Wurzeln. Im Vagen liegt das Konkrete.