(Deutschland, Luxemburg, Italien/ 129 Min / Start in Deutschland: 21. 08. 2025)
Wunderbar irritierend! – Schriftsteller Bernard (Lenn Kudrjawizki) lebt im Nirgendwo zwischen Schaffenskrise und Depression. Weder Vater Carlos (Michael Hanemann) noch Freundin Agata (Sophie Mousel) können helfen. Das Schaf, mit dem Bernhard sein Dasein teilt, bringt auch keine Ablenkung. Gelingt das einem Grashüpfer, groß wie ein Mensch? Richtig hart wird es für Bernard als der Vater lebensbedrohlich erkrankt. Doch statt handfest aufzutreten, flüchtet der Sohn gern mal in einen riesigen Schlund in seiner Wohnung, eine Art wabernden Wirbel. Dabei weiß er nicht, wohin.
Ein Psychogramm voller Nachtgestalten, eine Reise in die Untiefen seelischer Abgründe. Klingt abgedroschen, ist es aber nicht. Geboten wird bestes surreales Kino. Autor und Regisseur Elmar Imanov hat den Mut zu Besonderem. Damit reflektiert er nicht allein die Lebenskrise eines Einzelnen, sondern ebenso gesellschaftliche Befindlichkeiten. Nicht alles lässt sich dabei entschlüsseln. Es bleiben Geheimnisse. Durchweg mutet der Film kraftvoll an.
Das wohl auch, weil Elmar Imanov den Krebstod seines eigenen Vaters miterleben musste.
Lenn Kudrjawizki als Sohn und Michael Hanemann im Part des Vaters entwerfen reiche Charakterbilder. An ihrer Seite geht man gern mit auf diesen formal ungewöhnlichen Trip ins Unterbewusste. Wer Michael Hanemann als kauzigen Polizisten im Rentenalte in der Fernseh-Serie „Mord mit Aussicht“ in Erinnerung hat, wird sich zusätzlich freuen, ihn in einer ganz anderen Rolle erleben zu können.