„Denn dieses Leben lebst nur Du“

(Deutschland/ 80 Minuten/ Start in Deutschland: 16. 04. 2026)

Gedankenreich und seelenvoll. – Wohl niemand, die oder der von Kindesbeinen an eins ist mit ihrem/ seinem Körper, kann sich vorstellen, was es bedeutet, wenn dem nicht so ist. Stichworte dazu: Zweifel, Ängste, Hoffnungen, Gefühlschaos, physische und psychische Schmerzen, Ächtung durch andere, Vorurteile, Mitleid … Glücklich, wem das erspart bleibt. Mutig, äußerst mutig, wer sich als Betroffene oder Betroffener zu sich selbst bekennen kann. Zu sagen, der entsprechende Weg sei steinig, ist eine arge Untertreibung.

   Douglas Wolfspergers Film ermöglicht die Begegnung mit vor allem drei Menschen, denen es gelungen ist, die eigene Körperlichkeit zu erkennen, sich zu ihr zu bekennen und viele Hürden zu nehmen, um so zu leben wie sie es für sich als richtig empfinden: Gabriel, einst Frau, jetzt Mann, sowie Melina (gelegentlich flankiert von Lebensgefährtin Dunja) und Elisabeth, beide früher Mann, nun Frau. Die Erzählungen der drei sind von einem schier unerschütterlichen Optimismus geprägt, Freude am Dasein, Stärke im Glauben an sich selbst. Das auch dann, wenn von schmerzhaften Erfahrungen die Rede ist.

   Sensibel befragt und ebenso in Szene gesetzt, fern von schicken Arrangements, wird schlicht und einfach Alltag erkundet. Was (filmhandwerklich) bekanntlich alles andere als einfach ist. „Aufregendes“ oder „Sensationelles“ bleibt außen vor. Dadurch weitet sich der Film völlig unaufdringlich zu einem reichen Gesellschaftspanorama, wird allgemeingültig über das nachgedacht, was so gern mit dem Schlagwort von der unantastbaren Würde des Menschen abgehakt wird. Hier geht es nicht um Pro und Contra, nicht um billiges Verständnis, sondern um ein Nachdenken über gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen. Das erreicht der Film, weil er keiner der schnellen Schlussfolgerungen und eben mal rasch servierten „Lifestyle“-Rezepte ist. Douglas Wolfsperger versteht sich aufs Zuhören – und darauf, Fragen, die aufkommen, nicht zu beantworten. Das überlässt er dem Publikum.

   Es wird viel geredet in diesem Film. Doch nie geplappert. Drum prägt er sich ein als stille, sanfte Erkundung bürgerlichen Alltags hier und heute, in seiner gedanklichen Vielfalt bereichernd für jede und jeden, die oder der ein bewusstes Leben in einer ganz selbstverständlich von den Werten des Humanismus‘ geprägten Gemeinschaft mitgestalten möchten. Kurz: ein hochpolitischer Film!

Schreibe einen Kommentar