„Alte Liebe“

(Deutschland/ 111 Minuten/ Start in Deutschland: 08. 10. 2026)

Hinreißend schön und klug! – Endlich wieder einmal ein Film für Erwachsene, die eine gedankenreiche, emotionsgeladene, aber nicht sentimentale, mitreißend erzählte Geschichte im Kino erleben möchten.

   Dem Team um das Drehbuch-Duo Autorin Laila Stieler und Regisseur Andreas Dresen gelingt es, von ganz Alltäglichem höchst unüblich zu erzählen, nämlich leise und fein, vieldeutig und klar, herzerwärmend und witzig. Im Zentrum steht das nun schon seit Jahrzehnten verheiratete Paar Lore und Harry. Wirtschaftlich geht es ihnen gut, auch gesundheitlich scheint nichts anzuliegen. Sie arbeitet noch als Bibliothekarin, er pusselt gern im häuslichen Garten. Allerdings: Die große Liebe von einst ist kleinlichem Einerlei gewichen. Die beiden leben eher neben- als miteinander. Äußere Umstände bringen sie dazu, ihre Situation zu überdenken. Vielleicht ist es doch möglich, Schwung ins Miteinander zu bringen?

Dagmar Manzel und Joachim Król scheinen nicht zu spielen. Man meint, sie seien Lore und Harry. Jeder Augenblick wirkt gelebt. Ohne jeden Aufwand offenbaren sie eine Flut an Nuancen, zeigen Licht- und Schattenseiten des Lebens, fesseln mit ungemein facettenreichen Charakterstudien. Man kann nicht anders: man verliebt sich in die zwei. Und oft erkennt man sich plötzlich selbst.

   Vorlage des Drehbuchs ist der 2009 erschienene Bestseller „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Sie haben ein westdeutsches Paar mit spezifischen Erinnerungen wie etwa an die Studentenrevolte der späten 1960er-Jahre porträtiert. Laila Stieler und Andreas Dresen, aufgewachsen in der DDR, haben Lore und Harry eine ostdeutsche Biografie gegeben. Das gibt der Erzählung eine zusätzliche Dimension, auch und gerade, weil die Film-„Helden“ keine Wende-Verlierer sind.

   Die sensible Inszenierung überzeugt rundum. Musikeinsatz und Bildgestaltung sind superb. Das A und O: Dagmar Manzel und Joachim Król. Sie zeigen völlig uneitel, wie schön und bedeutend so viele kleine Momente im Leben sein können. Man möchte sie umarmen und ein wenig länger als einen Kinobesuch mit ihnen zusammen sein.

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