„Was uns verbindet“

(Frankreich Belgien/ 106 Minuten/ Start in Deutschland: 07. 08. 2025)

Komisch, nachdenklich, doppeldeutig: das Porträt einer Frau zwischen Abstumpfung und Aufbegehren. – Kein jugendliches Model, keineAction-Heroine,kein Genie: Sandra ist eine durchschnittliche Frau von nebenan. Sie liebt ihren Beruf als Buchhändlerin und ihr Alleinsein. Sagt sie. Denkt sie. Glaubt sie. Doch dann gerät alles durcheinander, weil sie einem spontanen Impuls folgt und Nachbarn in Not hilft. Sie übernimmt für kurze Zeit die Aufsicht des sechsjährigen Elliot (César Botti). Denn die anstehende Geburt einer Schwester zwingt dessen Eltern ins Krankenhaus. Doch es bleibt nicht bei einem Intermezzo. Elliots Mutter stirbt – und Sandra gleitet mehr und mehr in die Rolle eines Familienmitglieds.

   Was nach Schnulze klingt, erweist sich als sensible Studie einer Frau, die in ihren späteren Jahren ein neues Leben anfängt. Das mit vielen Fragen: Will sie das? Kann sie das? Ist sie bereit, mit dem jüngeren Alex, Elliots Vater, eine intime Beziehung einzugehen? Und vor allem: Schafft sie es, sich eigene Schwächen einzugestehen und daraus eine neue Stärke zu gewinnen?

   Eine Frau jenseits der Jugend steht nicht zum ersten Mal im Zentrum eines Spielfilms der französischen Autorin und Regisseurin Carine Tardieu. Sie versteht sich trefflich darauf, feinziselierte Charakterporträts zu schaffen. Nichts wirkt ausgedacht, keine Szene wird mit plump-erklärenden Dialogen überfrachtet. Mit Valeria Bruni Tedeschi hat sie die perfekte Interpretin für die Rolle der Sandra gefunden. Sie offenbart das Schwanken der Figur zwischen Zweifeln und Hoffnung, Aktivismus und Lethargie, Charme und Widerborstigkeit scheinbar im Handumdrehen. Man ist als Zuschauer gern an Sandras Seite, möchte sie manchmal schützend in den Arm nehmen, dann wieder wachrütteln, auch mal beschimpfen. Weil rasch dicht dran an der Figur und damit mitten im Geschehen, drängen sich einem Fragen zum eigenen Dasein auf. Die nachhaltige Wirkung wird auch nicht durch das etwas zu forciert anmutende Finale gestört. Man geht mit grübelnd aus dem Kino.

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