Veni vidi vici

(Österreich 2024, 86 Minuten/ Start in Deutschland: 09. 01. 2025)

Beißend ironische Kapitalismus-Kritik. – „Veni vidi vici“, „Ich kam, sah, siegte“. Caesars inzwischen mehr als zweitausend Jahre alter Ausspruch funktioniert hier trefflich als Titel einer bösen Satire auf die Gegenwart großbürgerlichen Selbstverständnisses. Denn wie zur Zeit des römischen Herrschers frönen hier die Mächtigen einer ungehemmten Dekadenz. Was der Film um eine superreiche Familie auf die Spitze treibt: Lug, Betrug und Mord, alles aus Spaß, sind für die Protagonisten alltäglich.

   Die Story um die brutale Selbstverliebtheit von Vater, Mutter, Kind ist nur schwer auszuhalten. Denn keine der Figuren strahlt etwas aus, das auch von fern nur an Menschlichkeit erinnern würde. Ihr Geld gibt ihnen das Recht, willkürlich über Leben und Tod anderer zu entscheiden. Und das nicht nur in Gedanken. Sie schießen wirklich um sich. Dabei hält das Regieteam Daniel Hoesl und Julia Niemann keinen intellektuellen oder emotionalen Fluchtweg fürs Publikum bereit. Rettung vor dem Wahn jener, für die keine Regeln gelten, scheint unmöglich zu sein.

   Ruben Östlund hat davon schon brillant in seinem vielfach ausgezeichneten und für drei Oscars nominierten Spielfilm „Triangle of Sadness“ (2022) erzählt. Allerdings hat er den Zuschauerinnen und Zuschauern insofern einen Ausweg aus der Misere angedeutet, indem er der Handlung mit einem feinen Coup Chancen für eine absurde Rache-Geschichte einräumt. Solch satter Humor fehlt in „Veni vidi vici“. Alles ist schwarz. Und keine einzige der Figuren lädt zu Identifikation ein, nicht mal zu Sympathie. Da das schon nach wenigen Minuten des Filmauftakts klar ist, stellt sich bald ein gewisser Leerlauf ein. Der Versuch, mit Schrecken aufzurütteln, wird dadurch von den Filmemachern selbst ein wenig gedämpft.

   Allerdings agiert Ursina Lardi mit einer solchen Stärke als Monster-Mutter, deutet immer wieder eine gewisse Mehrdeutigkeit an, dass man ihr einfach nur fasziniert zuguckt. Es mutet gelegentlich gar so an, als habe sie bewusst gegen die ausgestellt-unterkühlte Künstlichkeit der Inszenierung angespielt. Damit dringt sie dann für Augenblick unter die Oberfläche der überdeutlich ausgestellten Amoralität – und lädt einen als Zuschauer dazu ein, ernsthaft über die Grenzen und die Möglichkeit der Weltveränderung nachzudenken. Damit bringt sie Bert Brechts Diktum „Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“ etwas ins Wanken und lässt doch einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer aufscheinen.

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