„Traumnovelle“

(Deutschland 2024, 109 Minuten/ Start in Deutschland: 16. 01. 2025)

Arthur Schnitzlers legendäre „Traumnovelle“ verlegt ins Berlin der heutigen Zeit. – Das klingt wagemutig, ist es auch. Doch es funktioniert. Denn Regisseur Florian Frerichs setzt nicht auf sattsam bekannte Touri-Bilder aus der deutschen Hauptstadt. Erfreulicherweise baut er auch nicht auf den vermeintlichen Reiz explizit ausgestellter Sexualität. Die Geschichte um die erotischen Obsessionen einen nicht mehr jugendlichen Mannes spielt sich, wie in der literarischen Vorlage, fast ausschließlich im Kopf des Protagonisten ab. Den verkörpert Nikolai Kinski. Und seine Präsenz ist das A und O des Films.

   Kinski schwebt mitunter durch die offenbar bewusst stilistisch sperrig gefasste Erzählung. Geradezu perfekt verkörpert er den satten Wohlstandsbürger, der an seiner Saturiertheit zu ersticken droht. Die Flucht aus dem gut gepolsterten Einerlei in erotische Fantasien entpuppt sich dabei als holpriger Weg ins Nichts. Das ist auf zwei Ebenen interessant. Zum einen wird klar: Wenn es um menschliche Liebeslust geht, gelten noch heute die uralten Regeln. Um anderen, bedeutungsvoller: Einem nicht geringen Teil der bürgerlichen Welt droht genau diese Welt zu entgleiten. Denn das ewige Kreisen um nichts anderes als sich selbst führt dazu, dass sich die Gesellschaft nicht weiterentwickeln kann.

   Wie schon geschrieben: stilistisch ist der Film sperrig. Man bleibt als Zuschauer, Zuschauern auf Distanz. Das schmälert vielleicht für den einen oder die andere das Vergnügen. Andererseits erhöht gerade die Distanz die Chance, sich gedanklich einzubringen.

Schreibe einen Kommentar