(Deutschland, Schweiz/ 127 Minuten/ Start in Deutschland: 19. 02. 2026)
Schön-schräg und dabei eindringlich. – Erstmal dürften einige Zuschauerinnen und Zuschauer ein wenig hilflos aus der Wäsche gucken. Denn es erschließt sich nicht sofort, was da geboten wird: Eine Studentin, Lena, macht so etwas wie ehrenamtliche Sozialarbeit, indem sie einen Schreibzirkel anbietet. Hugo Drowak ist ihr einziger Klient. Sie geht zu ihm nachhause, wo es wüst aussieht: Hunderte, vielleicht sogar Tausende leere Flaschen, wohlgeordnet, beherrschen die Wohnung. Wirre Gedanken und nicht fassbare Gefühle schwirren durch die Luft. Hugo Drowak, früher wohl mal ein begabter Autor, scheint in den Wahn abzudriften. Er möchte sich zunächst gar nicht von Lena bekursen lassen. Doch die Vorgaben des Amtes drohen im Fall der Weigerung mit Verlust aller Unterstützung …
Regisseur Nicolas Steiner und Autorin Bettina Gundermann erzählen in einem unbekümmerten, frischen Ton. Das mutet zunächst wie eine krachende Anarcho-Komödie an. Doch es ist mehr. Noch Tage nach dem Kinobesuch fallen einem Szenen und Dialoge ein, spürt man dieses Gefühl zwischen Ratlosigkeit gegenüber einem fern aller Normen lebenden Menschen und Sympathie für dessen Mut, sich nicht anzupassen.
Luna Wedler, wie immer sofort mit enormem Charme für sich einnehmend, und Karl Markovics, herrlich knarzig, harmonieren perfekt miteinander. Sie quirlig, er grummelig, und beide schließlich sehr gedankenreich. Ganz nebenbei wird’s auch mal satirisch, etwa wenn der berühmt-berüchtigte Amtsschimmel vorgeführt wird. Da darf laut gelacht werden. Doch überwiegt verhaltener Humor, gewürzt mit Melancholie.
Es begeistern die originelle, unaufdringlich über Privates hinausweisende Geschichte, das mitreißende Schauspiel und insbesondere der Mut dazu, alles andere als brav und konventionell in köstlich überdrehten Bildern zu erzählen. Das ist wirklich junges, frisches Kino. Hier wird fern ausgelutschter 08/15-Ästhetik erzählt, wird auf eine in schönstem Sinn irritierende Art und Weise fabuliert. Und es wird einem so einiges zum Grübeln mit auf den Heimweg gegeben.