(Deutschland, 2024, 91 Minuten/ Start in Deutschland: 09. 01. 2025)
Blick zurück aufs Hier und Jetzt. – Mit „München“ brachte Regisseur Steven Spielberg („E. T. – Der Außerirdische“, „Indiana Jones“, „Schindlers Liste“) 2004 den bisher wohl bekanntesten Kino-Film zum Attentat während der Olympischen Spiele 1972 in München heraus. Er setzte in seiner Inszenierung auf Action und Thrill. Wobei er auch der Frage nachging, ob Rache der Gerechtigkeit dienen kann. Regisseur Tim Fehlbaum („Hell“) fokussiert auf einen anderen Aspekt, setzt kaum auf äußeren Thrill.
Die schreckliche Tat selbst zeigen historische Aufnahmen. Ansonsten blickt der Film indirekt auf das Geschehen vom 5. September 1972. Fakten und Fiktion sind dabei geschickt ineinander verwoben. Im Zentrum: ein Team des US-amerikanischen TV-Senders ABC. Die Journalisten, Techniker und eine Dolmetscherin sind Zeugen des Terroraktes und werden damit zu direkten Berichterstattern. Sie zeigen, was sie vor die Kamera kriegen und senden live. Was es davor weltweit nicht gab. Dabei stehen sie alle unter enormem Druck. Denn sie fragen sich, ob das, was sie tun, legitim ist, moralisch vertretbar ist oder nicht. Was ist journalistisch richtig, was falsch? Die Botschaft des Films ist klar: Eine auf Wahrheiten beruhende Berichterstattung ist in jedem Fall notwendig. Doch nicht jede Wahrheit gehört ungefiltert gezeigt. Die menschliche Würde darf keiner Sensationsgier geopfert werden. Anstand ist angesagt. Womit die Aktualität des Dramas gerade in der heutigen Zeit der Fakenews klar ist.
Schauspielerisch fesselt besonders Leonie Benesch („Das Lehrerzimmer“) als Marianne Gebhardt, eine junge Deutsche, vom ABC-Team als Dolmetscherin angeheuert. Die junge Frau ist für das Publikum die Identifikationsfigur. Ihre feinsinnige Darstellung zieht die Zuschauer sofort mitten ins Geschehen und damit in die gedanklichen Auseinandersetzungen hinein. Das sollte ihr den Weg zu einer internationalen Karriere öffnen. Hervorragend auch: die Arbeit von Kameramann Markus Förderer. Seine meist in reduzierten Farben gehaltenen Bilder muten oft geradezu fiebrig an. Das befördert die Spannung ungemein. Doch nicht die ist entscheidend. Wichtiger sind die Fragen, die der Film hinterlässt.