(Italien, USA 2024, 137 Minuten/ Start in Deutschland: 02. 01. 2025)
Elegisch und elegant: Regisseur Luca Guadagnino und Drehbuchautor Justin Kuritzkes, 2024 als Team erfolgreich mit „Challengers – Rivalen“, dürfte der Publikumszuspruch sicher sein. Denn Ex-007-Star Daniel Craig in der Hauptrolle hat von vornherein für eine große Aufmerksamkeit gesorgt. Kassenerfolg garantiert. Doch der künstlerische?
Vorlage des Spielfilms ist der gleichnamige Roman des US-Amerikaners William S. Burroughs (1914 – 1997). Geschrieben hat er das Buch bereits Anfang der 1950er-Jahre. Veröffentlicht wurde es erst in den 80ern. Es hat in der Öffentlichkeit nicht die Bekanntheit seines Bestellers „Naked Lunch“. Nichtsdestotrotz: lesenswert, auch heute noch. Burroughs Kraft in der Schilderung von psychischen Ausnahmezuständen im Zwielicht diverser Süchte, sei es Sex oder Drogen und vor allem Sex als Droge, hat nach wie vor einen faszinierenden Sog. Als Leserin oder Leser stürzt man geradezu in einen Zustand zwischen Wachen und Wahn, Erregtheit und Abgestoßen-Sein. Das in Kino-Bilder umzusetzen ist alles andere als einfach, der Versuch mindestens mutig zu nennen. Leider ertrinkt die filmische Adaption in Designerschick. Es ist nicht gelungen, das zu visualisieren, was das Entscheidende bei Burroughs ist, nämlich das, was in den Köpfen der Protagonisten passiert.
Burroughs‘ Alter Ego William Lee hat Daniel Craig mit oft glasigem Blick, einer nervösen Körpersprache und beredtem Schweigen ausgestattet. Oft mutet es so an, als lade der Schauspielstar exzessiv dazu ein, das Innere des von ihm verkörperten Mannes zu ergründen. Großartig! Bedauerlicherweise sind Luca Guadagnino und Drehbuchautor Justin Kuritzkes dieser Einladung nicht gefolgt. Sie weiden sich an Äußerlichkeiten, ein, zwei recht offenherzige Sexszenen inklusive. Ausführlich zeigen sie vor allem William Lees Flanieren durch die Straßen, Bars und Behausungen in Mexiko-Stadt um 1950. Dank Daniel Craigs Präsenz stört es nicht, dass da nahezu jeder Moment das Können von Kamera, Ausstattung und Beleuchtung ausstellt. Von der Stadt geht’s dann in den Dschungel. Dort sucht William Lee eine legendäre Pflanze, die angeblich zu besonders intensivem Drogenrausch führt. Neben ihm: der junge Eugene Allerton (Drew Starkey). Ein Stricher? Ein Abenteurer? Seriös? Unseriös? Uninteressant. Es geht um William Lees Erwartungen, Sehnsüchte, Begierden. Die einem als Zuschauerin und Zuschauer rasch nach Filmstart klar sind: Der Mann sucht Liebe. Mehr als körperliche Ersatzbefriedigung bekommt er aber nicht, und selbst die nicht immer. Daran leidet er. Verständlich. Daniel Craig hat wunderbar-innige Momente. Seine Fans dürfen schwärmen. Er zeichnet eine reiche Charakterstudie. Das ist nicht wenig. Damit weckt er den Wunsch, ihn häufiger in Rollen erleben zu dürfen, die seinem enormen Können entsprechen.