(Südkorea/ 139 Minuten/ Start in Deutschland: 05. 02. 2026)
Scharfes Sittenbild. – Verblüffung und Verärgerung am Ende des letzten Filmfestivals in Venedig: „No Other Choice“ ging bei der Preisverleihung leer aus. Schaut man sich die Ausgezeichneten an, ist Kopfschütteln angesagt. Denn tatsächlich überzeugt dieser urkomische und dabei bitterböse Thriller nicht allein als 1a-Amüsement, sondern fesselt auch als nur wenig satirisch überhöhtes Zeitbild der spätbürgerlichen Gesellschaften.
Die Story erinnert an Hitchcock und Chabrol: Man-su (Lee Byung-hun) verliert seinen Job als Ingenieur einer Papierfabrik. Alle Versuche, eine neue Anstellung zu finden, scheitern. Denn die Konkurrenz ist groß. Stets schnappt ihm ein anderer die ausgeschriebene Stelle weg. In seiner Verzweiflung kommt der Gebeutelte auf die Idee, die Konkurrenten auszuschalten. Das nicht durch Wissen oder Können oder Charme. Auch Bestechung kommt ihm nicht in den Sinn. Man-su will aufs Ganze gehen und lästige Mitbewerber mit tödlicher Sicherheit aus dem Weg räumen …
Die Bemühungen des Möchtegern-Mörders führen zu rabenschwarz-komödiantischen Momenten. Doch gerät die Kritik an sozialen Missständen dabei nicht aus dem Fokus. Das liegt weniger an der raffinierten Geschichte als an der formalen Gestaltung. Erzählt wird oft aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, etwa aus der Froschperspektive oder aus luftiger Höhe. Das ist von großem Reiz und verweist auf so einige Gedankengänge. Unterhaltung und Gehalt kommen also großartig zusammen.