Mein Name ist Barbra

Barbra Streisand „Mein Name ist Barbra“, übersetzt von Raimund Varga; Luftschacht Verlag; 1200 Seiten; Preis: 46 Euro

Ein Weltstar plaudert. Das ist neckisch und unterhaltsam und manchmal sogar anrührend. Der Star: Barbra Streisand. Berühmt wurde sie insbesondere mit Filmhits wie „Hello, Dolly!“, „Is’ was, Doc?“, „The Way We Where“ und „Yentl“. Sie selbst hat sich einmal selbst einen „einzigen Klumpen Talent“ genannt. Zum Schauspielen, Singen und Inszenieren kommt nun also noch das Schreiben. Auch das kann sie. Allerdings liegt ihr das Streichen und Kürzen wohl nicht besonders.

    Zwei Oscars und viele andere Ehrungen in den USA und international zeugen vom außerordentlichen Können der New Yorkerin. Seit etwa sechs Jahrzehnten jubelt ihr ein großes Publikum zu. Die auch als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Erfolgreiche hat alle Verehrung verdient, das auch, weil sie sich öffentlich im Kampf zur Gleichberechtigung der Geschlechter und zu anderen politischen Fragen engagiert. Ihre Memoiren, lange angekündigt, waren heiß erwartet worden. Im Herbst 2023 sind sie in den USA erschienen, etwa ein Jahr später in der in der exzellenten deutschen Übersetzung von Raimund Varga. Zehn Jahre soll Barbra Streisand geschrieben haben. Quantitativ ist viel dabei heraus gekommen, knapp eintausend Seiten im Original, in der deutschen Ausgabe sogar noch mehr.

   Fans der Diva dürften das Mammutwerk genussvoll verschlingen. Denn nahezu Schritt für Schritt lässt sich der Lebensweg Barbra Streisand nachvollziehen, ihr kompromissloses Ringen darum, den Weg nach oben bis wirklich ganz oben zu beschreiten. Besonders packend liest sich das, wenn die Autorin emotional reich Höhen und auch Tiefen ausleuchtet. Ernüchternde Erkenntnis: Der Traum vom Ruhm ist oft schöner als der Ruhm selbst.

   Das Lesen wird oft zu einem schwindelerregenden Abenteuer zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn. Sehr amüsant. Gar nicht lustig: die Beschreibungen des komplizierten Verhältnisses zur Mutter. Schockierend: die aufgezeigten Auswirkungen alltäglichen Antisemitismus‘. Man schmunzelt beispielsweise erst einmal, wenn Barbra Streisand davon erzählt, dass in ihren frühen Jahren in der Presse wahrscheinlich oft mehr über ihre Nase als über ihre Leistungen geschrieben wurde. Doch wie sie das schreibt und einordnet, löst es ein tiefes Nachdenken aus. Wie hier, so ist der Wälzer generell immer dann besonders fesselnd, wenn sich der Lebensrückblick zu einem gesellschaftspolitischen Panorama weitet. Da bleibt denn auch alle Eitelkeit aus. Hin und wieder bricht die sich dann jedoch doppelt und dreifach Bahn. Gab es kein strenges Lektorat? Hat Barbra Streisand das nicht zugelassen? Ab und an etwas weniger „ich“ wäre gut gewesen.

   Begeisternd: Viele Passagen, in denen klar wird, mit welchem Engagement und Ernst, mit welcher Beflissenheit und Besessenheit Barbra Streisand arbeitet. Ihre Ausführungen zu Songinterpretationen, Schauspiel, Inszenierungsstilen, Produktion zeugen durchweg von Können – und von einer großen Demut gegenüber der Kunst. Das ist erfrischend. Wie auch das, was sie über ihre nun schon Jahrzehnten bestehende Gemeinschaft mit dem Schauspieler James Brolin verrät. Klar: Ein bisschen Klatsch muss auch sein.

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