„Maria“

(USA, 2024, 124 Minuten/ Start in Deutschland: 06. 02. 2025)

Eine Diva posiert als Diva. Jolie als Callas. Mehr als Posen wollte der Regisseur offenbar nicht. –Maria Callas (1923 – 1977) gilt als größte Sopranistin aller Zeiten. Hört man Aufnahmen der Diva Assoluta bekommt man unweigerlich eine Gänsehaut, spürt manchmal gar eine Träne im Augenwinkel. Was an der Intensität des Gesanges liegt. Die Interpretationen der in den USA geborenen Griechin erschüttern. Die Leidenschaft des Vortrags überträgt sich geradezu körperlich. Man meint, durch den Gesang zur Seele der legendären Künstlerin vorzudringen.

   Derart zu Herzen gehend ist Pablo Larraín Spielfilm „Maria“ nicht. Maria Callas (Oscar-Preisträgerin Angelina Jolie) wirkt zu entrückt, zu stilisiert. Leidend unter dem Verschwinden ihrer Stimmkraft und am Verlust ihrer großen Liebe Aristoteles Onassis (Haluk Bilginer) dämmert die weltberühmte Künstlerin in ihren letzten Tagen vor sich hin. Unmengen an Pillen entrücken sie der Realität. Weder den Ratschlägen ihrer älteren Schwester (Valeria Golino) noch denen des Arztes Dr. Fointainebleau (Vincent Macaigne) folgt sie. Stattdessen imaginiert sie Interviews, geführt von einem Mann, der so heißt wie ihre bevorzugte Tablette, Mandrax (Kodi Smit-McPhee). Alles Leben ist einem permanenten Dämmern gewichen. Ihre Köchin und Haushälterin Bruna (Alba Rohrwacher) sowie ihr Chauffeur und Faktotum Ferruccio (Pierfrancesco Favino) können nur hilflos zusehen …

   Regisseur Pablo Larraín hat 2016 mit „Jackie“, getragen von Natalie Portman als Kennedy-Witwe Jacqueline, und 2021 mit „Spencer“, Kristen Stewart agiert als Lady Di, bereits zwei weithin erfolgreiche Frauen-Porträts ins Kino gebracht. Großer Unterschied zu „Maria“: die beiden Vorgängerfilme haben die Hauptfigur jeweils zumindest ansatzweise in einem erfassbaren gesellschaftlichen Umfeld gezeigt. Nichts davon ist dieses Mal auszumachen. Pablo Larraín zeigt die Callas fern der Wirklichkeit. Zu sehen ist ein stark stilisiertes Bild von einer Frau, stets elegant gewandet, gern in Posen verharrend, nie aus Fleisch und Blut wirkend. Über die ausgetüftelte Bebilderung von Äußerlichkeiten geht das nicht hinaus. Leider. Immerhin: Es gibt einige großartige, auch effektsicher in Szene gesetzte, musikalische Momente. Es heißt, Originalaufnahmen der Callas wären mit dem Gesang von Angelina Jolie kombiniert worden. Über die gesamte Spieldauer von etwa zwei Stunden sind diese „Nummern“ jedoch nicht so stark, dass sie einen nachhaltig ergreifen würden. Angelina Jolie hatte keine Chance, die Persönlichkeit hinter allen Posen zu offenbaren.

   Alba Rohrwacher („Die Einsamkeit der Primzahlen“) als Bruna und Pierfrancesco Favino („Nostalgia“) als Ferruccio durften, anders als Angelina Jolie, handfeste Charaktere gestalten. gelungen. Ihnen gehören die wenigen anrührenden Momente der Filmerzählung. Die vom Tod der Maria Callas‘ umrahmt wird: Anfang und Ende ist ihre Leiche auf dem Parkettboden der hochherrschaftlichen Pariser Wohnung zu sehen. Erfreulicherweise wird dabei visuell nicht aufs Grobe gesetzt. Die Kamera wahrt klug Distanz. Diese, hier bezwingend, prägt allerdings den gesamten Film. Geboten wird kühle Distanz statt Leidenschaft.

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