Ellen Babic

Marius von Mayenburg beleuchtet pointiert einige Schattenseiten der bürgerlichen Gegenwart

Eines ist am am d’haus, am Düsseldorfer Schauspielhaus, die Regel: exzellentes Schauspiel. Das prägt auch die jüngste Novität, „Ellen Babic“. Geboten wird ein Konversationsstück, ein Kammerspiel der Marke „well made play“. Das Stück schwankt vom Text her zwischen Komödie und Krimi, eine Prise Gesellschaftsdrama obendrauf.

Im Zentrum: Lehrerin Astrid (Claudia Hübbecker) und deren Lebensgefährtin Klara (Pauline Kästner). Seit Jahren sind sie ein Paar. Begonnen hat es bereits in der Schulzeit. Was aus juristische Perspektive mindestens problematisch zu nennen ist. Bisher war das allerdings ohne Interesse.

Doch nun, Ausgangspunkt des Stückes, taucht Schuldirektor Wolfram (Florian Lange) auf. Er kommt mit Anschuldigungen und Ansinnen. Was hier um der Spannung willen nicht näher beschrieben sei. In der Folge allerdings ergeben sich höchst komplizierte Fragen, die auch das Verhältnis der zwei Frauen zueinander betreffen …

Autor Marius von Mayenburg, zuvor vielfach erfolgreich mit gut gebauten Konversationsstücken, mäandert im Text zwischen Ernst und Komik. Was zwar zur Unterhaltsamkeit beiträgt, den aufbrechenden Konflikten jedoch einiges an Schärfe nimmt. Weniger Witz wäre gut gewesen. Das betrifft insbesondere die Figur des Wolfram. Er ist von vornherein auf den Typ fieses kleines Würstchen festgelegt. Florian Lange hat es denn auch recht schwer, einen wirklich interessanten Charakter zu gestalten. Es ist zu bewundern, wie er den von ihm verkörperten Mann davor bewahrt, zum Pappakameraden zu werden.

Claudia Hübbecker und Pauline Kästner hatten es da etwas leichter. Etwas. Auch bei den von ihnen zu spielenden Frauen hat der Autor gelegentlich zu sehr auf die Tube gedrückt. Doch Astrid und Klara dürfen Wandlungen durchlaufen. Was die zwei Schauspielerinnen mit faszinierender Intensität zeigen. Besonders Claudia Hübbecker: Ihre Astrid ist erst scheinbar ganz Lämmchen, um dann zur Löwenmutter zu werden, die ihr Dasein geradezu brutal verteidigt.

Regisseur Anton Schreiber hat gut daran getan, sich in hohem Maß auf das Können des Schauspiel-Trios zu verlassen. Schön, dass er völlig auf inszenatiorische Mäzchen verzichtet hat. Das Schlichte, das bekanntlich so schwer herzustellen ist, gelingt ihm klug – und gerade das bringt Spannung.

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