(Frankreich, Belgien/ 121 Minuten/ Start in Deutschland: 23. 04. 2026)
Pittoresk. – Isabelle Huppert hat schon häufig in den Rollen vielermit der Gestaltung komplizierter Charaktere mit Hang zu Bösartigkeit brilliert. Hier nun bietet sie eine ihrer diesbezüglich besten Leistungen, denn alles Dunkle beleuchtet sie vor allem damit, dass sie gleichsam Scheinwerferkegel auf die komischen Aspekte der Story und der von ihr verkörperten Frau richtet.
Der Spielfilm schlachtet die vor einigen Jahren weithin als Skandal gehandelte Beziehung von Liliane Bettencourt (1922 – 2017), einst Hauptanteilseignerin des Kosmetikkonzerns L’Oreal, zu einem wesentlich jüngeren Mann aus. Der hat sie angeblich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Ihre Familie hat sich schließlich juristisch gewehrt. Und das war’s auch schon.
Der Film nun erzählt die fiktive Story der schwerreichen Marianne Farrère (Isabelle Huppert), des Hallodri Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) und Mariannes Tochter Frédérique (Marina Foïs). Regisseur Thierry Klifa hakt sämtliche erwartbaren Situation ab. Platte Kritik an den Schönen und Reichen bleibt erfreulicherweise aus. Der Reiz der Farce erwächst vor allem aus dem Spiel von Isabelle Huppert. Sie trumpft auf – mit Verve, Charme, Zickigkeit, vor allem mit Intelligenz. Und sie zeigt mehr, indem sie ab und an tiefer in den Charakter der Marianne blicken lässt. Da blitzt dann auch Tragik auf. So nimmt man mehr als Vergnügen mit nachhause, insbesondere den Gedanken, wieso es noch heute in der bürgerlichen Welt für Aufsehen sorgt, wenn eine ältere Frau sich einen jüngeren Mann als Gespielen hält. Was soll das Theater?