„The History of Sound“

(USA, Großbritannien, Schweden, Italien/ 128 Minuten/ Start in Deutschland: 09. 04. 2026)

Schön anzusehen. – Zweifellos: Es ist wirklich ein großer Genuss, diese mit wohlkomponierten Bildern auftrumpfende Literaturadaption anzusehen. Auch das Hauptdarsteller-Duo Paul Mescal und Josh O’Connor fesselt. Und doch: Ich empfehle dringend, die Novelle des US-Amerikaners Ben Shattuck zu lesen. Die exquisite Übersetzung ins Deutsche von Ben von Dirk van Gunsteren unter dem Titel „Die Geschichte des Klangs“ packt von der ersten bis zur letzten Silbe. Was dem Spielfilm des aus Südafrika stammenden Regisseurs Oliver Hermanus nicht ganz gelingt. Ein Grund dafür: Die Vieldeutigkeit von Worten ist nun mal nicht so ohne weiteres in Bilder übertragbar. Ein anderer: Paul Mescal und Josh O’Connor sind, pardon, doch schon ein wenig zu alt, zu erwachsen für die Hauptrollen. Und: Buchautor Ben Shattuck hat das Drehbuch zum Film selbst verfasst. Das mag keine so ganz gute Idee gewesen sein. Denn es stellt sich der Verdacht ein, dass er sich nicht genug vom eigenen Original lösen konnte.

   Trotz der Einwände: Sehenswert. Denn die schlichte Story von der unerfüllten Liebe zweier junger Männer zueinander hat eine große Intensität. Nicht wenige im Kino0ssal dürften sich ins Taschentuch schnäuzen … Paul Mescal und Josh O’Connor sind Schauspieler, die keine großen Worte oder Gesten benötigen, um die Innenansichten wunder Seelen offenzulegen. Man folgt ihnen gern. Filmfans dürften unweigerlich an „Brokeback Mountain“ erinnert werden.

   Viele dürften bei aller Freude am Filmgenuss mit einer möglicherweise bohrenden Frage zu sich selbst nachhause gehen: Bin ich mir selbst gegenüber immer aufmerksam genug, um zu wissen und zu spüren, wenn ich glücklich bin?

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