„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“

(Deutschland/ 136 Minuten/ Start in Deutschland: 29. 01. 2026)

Zwiespältige Literaturverfilmung. – Vermutlich ist mal wieder so wie bei vielen Adaptionen von Bestellern fürs Kino: Wer das Buch nicht kennt, dürfte seine helle Freude haben. Liebhaber der literarischen Vorlage hingegen könnten sich am Erzählton und am Stil der Inszenierung stören.

Jugend einerseits, Alter andererseits, dazu die Gegensätze von Unbekümmertheit und Gebrechlichkeit. Der vor zehn Jahren erschienene Erinnerungsroman von Schauspielstar Joachim Meyerhoff, Band drei seiner inzwischen sechsteiligen Reihe „Alle Toten fliegen hoch“, bietet Milieustudie und Selbstporträt, pointiert angereichert mit bezwingenden Gedanken zu nichts als dem Leben an sich. Selbst von Krankheit und Sterben wird da durchaus verschmitzt erzählt. Der Autor blickt auf jene Zeit, da er als Schauspielstudent Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahrei bei seinen exzentrischen Großeltern in München logierte.

   Das Buch ist klug und herzergreifend. Beim Lesen lacht man und verdrückt auch mal eine Träne. Besonders spannend: Ganz nebenbei wird damaliger bundesdeutscher Alltag beleuchtet, Kulturgeschichte. Das fehlt dem Film – wie auch die Leichtigkeit und das Leuchten der Vorlage. Viele Szenen, besonders die an der Schauspielschule, sind komisch. Man kann kräftig lachen, darf schmunzeln, kann sich rühren lassen. Doch packend ist das nicht, denn es fehlt an gedanklicher Tiefe und emotionaler Kraft. Drum müssen dann wohl auch immer wieder Dialoge herhalten, die das Publikum überdeutlich darauf stoßen, was es grad sehen, hören und empfinden sollte.

   Klar: Senta Berger und Michael Wittenborn, exzellente Theater- und Filmgrößen, schaut man einfach gern zu. Sie benötigen keinerlei Aufwand. Sie sind da. Mehr braucht’s nicht. Ihre Szenen sind die wirkungsvollsten des Films. Der keineswegs wirkungslos ist. Doch groß? Nein. Wieder mal bestätigt sich die These von Alfred Hitchcock, dass schlechte Romane leicht, gute hingegen schwer zu verfilmen seien. Der Roman von Joachim Meyerhoff ist ein sehr, sehr guter.

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