(USA, Frankreich, Italien, Großbritannien, Griechenland/ 116 Minuten/ Start in Deutschland: 27. 11. 2025)
Heldenepos ohne Phrasen von Heldentum. – Eine neue Interpretation der Odysseus-Sage, mit weniger Action als üblich, dafür mehr Tiefgang. Autor, Regisseur und Produzent Uberto Pasolini setzt auf philosophische und moralische Fragen, wobei er die Spannung nicht vernachlässigt.
König Odysseus (Ralph Fiennes) kehrt lange nach Ende des Trojanischen Krieges in seine Heimat zurück. Zwei Jahrzehnte sind vergangen. Gattin Penelope (Juliette Binoche) wartet. Einige Raufbolde wollten sie „erobern“, um auf den Thron zu gelangen. Das hat sie mit Klugheit verhindert. Nun also Happy End? Danach sieht es erstmal gar nicht aus. Odysseus und Penelope sind nicht mehr die strahlenden Persönlichkeiten von einst. Als er nun, zunächst von nahezu allen unerkannt, alt und fast gebrochen nachhause auf die Insel Ithaka zurückkehrt, muss das Paar hart kämpfen – und das keineswegs allein ums persönliche Glück …
Opulente Tricktechnik, ausufernde Muskelspiele und ein bonbonfarbener Bilderrausch, Markenzeichen der Sandalenfilme der 1960-er und 70er Jahre wie beispielsweise „Die Fahrten des Odysseus“, „Ben Hur“ oder „Der Untergang des Römischen Reiches“, bleiben aus. Vordergründiger Thrill samt Kampfgetöse gibt’s erst im furiosen Finale. Feine, psychologisch ausgefeilte Charakterstudien dominieren. Das Ringen um individuelle Würde und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein wird unter die Lupe genommen. Der überwiegend leise Film stellt dabei alles Gefasel von so genanntem Heldentum in Frage. Deutlich wird herausgearbeitet: Kriege haben nie Gutes gebracht und werden es nie bringen. Worauf weniger in Dialogen oder Monologen verwiesen wird. Hier erzählen Bilder – Momentaufnahmen von Landschaften, Orten, Gesichtern. Sehr wirkungsvoll. Wie das Schauspiel. Ralph Fiennes als Odysseus und Juliette Binoche im Part der Penelope bieten uneitle Schauspielkunst. Star-Posen bleiben aus. Auch Pathos hat keine Chance. Das geht unter die Haut.