(Österreich, Luxemburg, Deutschland/ 119 Minuten/ Start in Deutschland: 29. 10. 2026)
Schön schräg. – Isabelle Huppert mit Wiener Schmäh. Die französische Diva zieht ihr Image dabei gehörig durch den Kakao. Und genau das macht diese groteske Farce sehenswert.
Regisseurin, Autorin, Malerin und Fotografin Ulrike Ottinger legt hiermit ihren bisher zugänglichsten Film vor. Sie hat das Drehbuch gemeinsam mit der österreichischen Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek entwickelt. Letzterer sind vermutlich vor allem zahlreiche der spitzzüngigen, wie nebenbei gesellschaftliche Missstände anprangernden Dialoge zu danken. Da wird der skurrile Spaß oft gar zur trefflichen Satire. Im Zentrum der Story steht Elisabeth Báthory. Die gab es wirklich. Die ungarische Gräfin lebte von 1560 bis 1614. Gestorben ist sie in Haft, angeklagt als Massenmörderin. Angeblich hat sie Hunderte Mädchen und junge Frauen ermordet. Forschungen gehen davon aus, dass dies eine Erfindung ihrer politischen Gegner zur Befriedigung eigener Machtgelüste war. Bei Ulrike Ottinger taucht sie nun in Wien in einem alten Hotel auf. Die quicklebendige Vampirin muss, so die Saga, regelmäßig, also alle paar Jahrzehnte, die eigenen Lebensgeister durch frisches Blut aufpeppen. In der ihr seit Jahrhunderten treu dienenden Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) hat sie eine eifrige Gehilfin. Dieses Mal müssen die Zwei neben der Nahrungssuche ein besonders kniffliges Problem lösen: Angeblich existiert ein für Vampire höchst gefährliches Buch. Gefährlich ist es deshalb, weil, wer es liest, die Unsterblichkeit verliert. Der Kampf der beiden ist manchmal recht gruselig, meist jedoch komisch.
Die Dekors und Kostüme sind üppig. Isabelle Huppert ist überlebensgroß. Sie feiert geradezu die Lust am Bösen. Dabei ist immer Schalk und Narretei zu spüren. Ihre Blicke und die oft an überzogene Posen von Stummfilmdiven erinnernde Gestik ziehen den heftigsten Horror ins Spaßige. Das Ensemble um sie herum hält prachtvoll mit, allen voran Birgit Minichmayr. Auch ESC-Gewinnerin Conchita Wurst tritt auf. Alle zusammen servieren „Wiener Blut“ der irrwitzigsten Art.