„Moscas – Fliegen und andere Gäste“

(Mexico/ 99 Minuten/ Start in Deutschland: 22. 10. 2026)

Kleiner Film, ganz groß. – Strenge Schwarz-Weiß-Bilder: Eine ältere Dame rückt ins Bild. Sie wirkt missmutig. Offenbar ist sie verbittert, einsam, alles andere als reich. Das Lösen von Sodoku-Aufgaben an einem Uralt-Computer scheint die einzigen Lichtblicke in ihr Dasein zu bringen. Selbst die werden gestört. Das Surren einer Fliege nervt. Mit einem Handtuch und einem Spray versucht die etwa 50-Jährige, das Insekt zu vertreiben …

   Bald wissen wir es. Die Frau heißt Olga. Sie lebt zurückgezogen in einer echt kleinen Wohnung einem großen, öden Wohnkomplex in Mexiko-Stadt. Doch sie hat ein freies Zimmer. Das vergibt sie an einen vermeintlich alleinstehenden Mann. Er mietet es, um seine im nahen Krankenhaus todkrank liegende Frau besuchen zu können. Seinen neunjährigen Sohn Christian hat er, um nicht noch mehr zahlen zu müssen, verschwiegen. Was bald auffliegt. Worauf die Frau, Olga, zunächst missmutig reagiert. Auf Grund verschiedener Umstände kommt es sogar dazu, dass sie sich mehr und mehr um den Jungen kümmert. Kann daraus eine Freundschaft werden?

   Die Inszenierung des mexikanischen Autors und Regisseurs Fernando Eimbcke („Berlin, I Love You“) verzichtet auf erklärende Worte, lässt vieles im Vagen, baut nicht auf wuchtige Gefühlsausbrüche. Als Zuschauerin und Zuschauer muss man Lust haben, sich aufs Mitdenken und Mitfühlen einzulassen. Wer das kann, taucht in eine überaus intensive Filmerzählung ein. Die Geschichte von Olga (Teresita Sánchez) und Cristian (Bastian Escobar) erreicht eine überzeugende Intensität.

   Wie der gesamte Film so balancieren auch die Akteure geschickt zwischen Härte und Weichheit. Teresita Sánchez gelingt ein überaus feines Charakterporträt. Man schließt ihre Olga mehr und mehr ins Herz. Das Bastian Escobar mit seinem ersten Auftritt erobert. Auch er mutet absolut authentisch an. Neben dem exzellenten Schauspiel und der packenden Story besticht der Film mit sehr genauen Alltagsbeobachtungen. Differenziert und ohne Gefühlsduselei wird gezeigt, wie stark ökonomische Fragen das Leben der Menschen bestimmen. Ohne Geld geht gar nichts. Der Verlust materieller Sicherheit verdrängt auch schnell so Lebensnotwendiges wie etwa Freundlichkeit. Fernando Eimbcke belässt es nicht beim Bedauern darüber. Er hat ganz offenbar die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es auch anders geht.

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