„Sacrifice“

(USA/ Griechenland/ Großbritannien/ 103 Minuten/ Start in Deutschland: 15. 10. 2026)

In gutem Sinne irritierend. – Grad hat Alejandro González Iñárritu mit Tom Cruise als „Digger“ versucht, Entertainment, Umweltbewusstsein und Kapitalismuskritik unter einen Hut zu bringen. Ganz rund ist das nicht gelungen. Das gilt auch für den dritten abendfüllenden Spielfilm von Autor-Regisseur Romain Gavras. Die Themenkonstellation ist der von „Digger“ recht ähnlich. Auch Gavrais lockt mit einem Publikumsliebling, nämlich mit Chris Evans. Seine Filmerzählung ist allerdings durchweg eine Nummer kleiner, geradliniger und bei aller amüsanten (!) Überdrehtheit auch leichter zugänglich. Damit erobert er mindestens ein paar Pluspunkte mehr als die aufgeblasene Blockbuster-Konkurrenz.

   Evans verkörpert mit Selbstironie und Feingefühl den Filmstar Mike Tyler. Dessen Karriere geht grad eher abwärts denn aufwärts. Die Teilnahme an einem hochkarätigen Wohltätigkeitsdinner in einer alten Mine auf einer griechischen Insel unter dem Slogan „Macht die Erde wieder kühl“ soll die Bekanntheit wieder verstärken. Schnell ist klar: Die Chose ist durch und durch verlogen. Hier geht es nicht um Umweltschutz, sondern um die Profitsteigerung einzelner Raffkes. Dagegen opponiert eine Gruppe jüngerer Leute auf brutale Art: Angeblich von einer alten Prophezeiung zur Rettung von Mutter Erde angetrieben, stürmen die Kids. Um die Erde zu retten, müssen sie, so sagt der Trupp, drei Menschen in einen lodernden Vulkan stürzen. Überrascht es irgendwen im Kino, dass Mike dazugehört?!

   Zunächst setzt die Inszenierung auf saftige Ironie. Die Dekadenz der Schönen und Reichen wird satirisch attackiert. Später wird ernsthafter darüber nachgedacht, ob es überhaupt noch Chancen zur Rettung des blauen Planeten gibt. Chris Evans nimmt dabei das Publikum an die Hand. Dabei setzt er mit Fortschreiten des Geschehens kaum auf vordergründige Mittel. Er macht aus Mike keinen Pappkameraden, sondern zeigt dessen Verunsicherungen und Ängste. Seine Darstellung fesselt ungemein, zeichnet er doch schließlich feinsinnig einen Mann, der für sich den Wert schlichter Menschlichkeit erkennt.

   Derart fesselnd wie der Hauptdarsteller ist der Film nicht durchweg. Romain Gavras baut zu oft auf vordergründige Effekte. Action und Thrill waren ihm augenscheinlich wichtiger als die Botschaft. Aber: Immer wieder gibt es ernsthaftere Töne, werden Themen wie Umweltschutz und soziale Ungerechtigkeit erstaunlich deutlich beleuchtet.

Schreibe einen Kommentar