(Deutschland/ 106 Minuten/ Start in Deutschland: 08. 10. 2026)
Klug und im besten Sinne lehrreich. – So manche Blüte unserer Zeit lässt aufgeklärte Menschen den Kopf schütteln, etwa das Auftreten sogenannter „Tradwives“, „traditioneller Ehefrauen“, in diversen Foren, vor allem im Internet. Da wird das verlogene Bild der angeblich klassischen Hausfrau und Mutter glorifiziert. Frauen im Hier und Heute rufen dazu auf, dass sie und ihre Geschlechtsgenossinnen sich an die Seite der Männer zu stellen haben, zu dienen, Kind und Küche beackernd, sich ansonsten bescheidend. Er zahlt, sie duckt sich. Himmel hilf!
Daniela Dröschers autobiografischer Roman „Lügen über meine Mutter“, einer der erfolgreichsten Bestseller der letzten Jahre, erteilt solchem Unsinn eine deutliche Absage. Das tut nun auch die Verfilmung. Es gibt Änderungen im Vergleich zur literarischen Vorlage, doch das Wesentliche ist da und überzeugt. Erzählt aus der Perspektive der sechs-, siebenjährigen Tochter Ela (Elise Lindner), wird das Leben der Ehefrau und Mutter Cornelia (Rosalie Thomass) in der west-deutschen Provinz in den 1980er-Jahren beleuchtet. Deren Gatte, Vater Werner (Golo Euler), ein rechter Looser, behauptet doch allen Ernstes, dass Cornelias angebliches Übergewicht schuld daran sei, dass er keine berufliche Karriere mache, ja, das sein Dasein ziemlich verkorkst ist. Und die Geknechtete beugt sich. Was Ela erst als Erwachsene deuten kann.
Hauptdarstellerin Rosalie Thomass hat das Drehbuch verfasst und sich damit die Rolle der Cornelia maßgeschneidert. Großartig! Ihr Mann, Regisseur Aron Lehmann, hat inszeniert. Gemeinsam treffen sie genau den richtigen Ton. Alle Ernsthaftigkeit des Anliegens wird nicht von Komik verdrängt, sondern gestärkt. Und nie wird es belehrend, auch wenn mancher direkt ans Publikum gesprochene Kommentar von Ela gelegentlich etwas zu klug anmutet. Aber: Was sie sagt, beruht auf Wissen und Erfahrung. Und da wird einem bei aller Unterhaltsamkeit dann ab und an doch ziemlich mulmig, welche vorvorgestrigen Ansichten derzeit wieder häufiger verbreitet werden.