„Für Polina“

Takis Würger „Für Polina“, Diogenes, 304 Seiten; Preis: 26,00 Euro

Herzerwärmend., klug, anregend. – Eine Liebesgeschichte ohne glühende Schwüre und lautes Brausen tobender Gefühle. Im Kleinen zeigt sich das Große. Das Schicksal schleicht oft auf leisen Sohlen umher. Was Takis Würger in einer klaren, schnörkellosen Sprache erhellt. Allein daraus entshet ein enormes Lesevergnügen. Es ist ein Genuss, den gern perlenden, doch dabei nie konstruiert anmutenden Sätzen zu folgen.

Die Geschichte von Polina und Hannes zieht sich über Jahrzehnte. Was Takis Würger nicht dazu verführt hat, oberflächliche historische Verweise einzuweben. Er bleibt kontzentriert bei den Protagonisten. Dabei spegelt er durchaus gesellschaftliche Wandlungen, beispielsweise das weitgehende Abhandenkommen des Bewusstseins Einzelner für das Eingebundensein in die Gemeinschaft vieler. Wesentlich: Die Spiegelung des Problems der Sprachlosigkeit von Menschen, wenn es darum geht, sich anderen gegenüber wirklich zu öffnen. Was immer auch damit zu tun hat, dass das Zuhören-Können ebenso verkümmert ist.

Manches mutet märchenhaft überhöht an. Es ist nun mal so, wenn Gefühle den Ton angeben. Takis Würger erzählt überaus fein davon. Doch er entlässt einen dabei nicht aus der Realität. Drum drängen sich vermutlich nicht wenigen Leserinnen und Lesern so einige Fragen zum eigenen Dasein auf.

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