(Frankreich/ 85 Minuten/ Start in Deutschland: 23. 07. 2026)
Überraschend hintergründig. – Und wieder mal: Ein scheußlich dämlicher deutscher Verleihtitel! Im Original heißt die Komödie „Pour le plaisir“ (Zum Vergnügen). Das trifft nicht nur die Handlung, sondern zielt ebenso auf das, was das Publikum zu erwarten hat: eine so elegante wie gedankenreiche Erzählung.
Die (von Tatsachen angeregte) Story um die Erfindung des „Womanizer“, eines der weltweit meistverkauften Sexspielzeuge für Frauen, versinkt nicht in Zoten und Anzüglichkeiten. Die Komik ist zwar ab und an krachend, aber schlüpfrig wird es nie. Denn es geht gar nicht um Sex, sondern darum, wie wichtig in einer Partnerschaft Vertrauen ist, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit.
Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet), Eltern der erwachsenen Tochter Elsa (Mitty Hazanavicius), sind trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten ein glückliches Paar. Anfallende Probleme lösen sie mit Gelassenheit. Das auch, als sie ihn mit dem „Geständnis“ verblüfft, dass sie in den inzwischen mehr als zwei Jahrzehnten des Miteinanders beim Liebesspiel noch nie einen Orgasmus erlebt hat. Was dazu führt, dass sich der Tüftler sofort daran macht, ein wirkungsvolles Sexspielzeug für Frauen zu entwickeln. Wobei Fanny nicht zum Versuchsobjekt degradiert wird, sondern tatkräftig mitdenkt und mitarbeitet. Es kommt zu einigen kuriosen Verwicklungen, insbesondere weil neben dem Paar und um es herum, einige Prüderie auszumachen ist. Entscheidende aber ist der Zusammenhalt der beiden.
Alexandra Lamy und François Cluzet agieren perfekt. Sie muten durchgehend glaubwürdig an, balancieren Nachdenklichkeit und Übermut großartig aus. Die zwei erzählen mit wenigen Mitteln viel. Sie führen keine Typen vor, sondern entwickeln nuancierte Charakterstudien. Ein schöner Spaß – mit dem bedeutsamen kleinen bisschen Mehr.