(USA, Kanada/ 109 Minuten/ Start in Deutschland: 02. 07. 2026)
Feingeistig. –Ein Debütfilm von bezwingender Klarheit. Autor und Regisseur Daniel Roher ist allerdings kein Kino-Neuling. „Nawalny“ bescherte ihm 2023 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.
Die raffiniert gestrickte Story begleitet einen Mittzwanziger auf seinem steinigen Weg der Selbstfindung: Niki (Leo Woodall) leidet unter Hyperakusis, einem krankhaft übersteigerten Hörvermögen. Er hat daraus das Beste gemacht, indem er an der Seite seines hochbetagten Freundes Harry (Dustin Hoffman) als Klavierstimmer (Piano Tuner) arbeitet. Ein Instrument, dass die beiden pflegen, klingt perfekt. Bei einem Solo-Einsatz in einer Villa kreuzt Nikis Weg den einer Gangsterbande. Deren Boss Uri (Lior Raz) will das Handicap des Handwerkers dazu nutzen, Tresore zu knacken. Das Geld, das er dafür bietet, kommt dem jungen Mann gerade recht. Denn Harry ist schwer erkrankt und die Behandlungskosten sind enorm …
Der Krimiplot ist nicht das Wesentliche. Spannung erwächst aus der Charakterstudie. So wie Niki bei seiner Arbeit überaus geduldig den kleinsten Nuancen in Klang und Laustärke nachspürt, erkundet der Film seine Reifung. Dabei versteht man selbst seine größten Fehlentscheidungen. Hauptdarsteller Leo Woodall überzeugt rundum. Er setzt Verhaltenheit, Innerlichkeit. Mit diesem Porträt eines jungen Mannes, der sich selbst finden muss, etabliert er sich als überzeugender Charakterdarsteller.